Im heutigen ersten Blog einer kleinen Blogserie beschäftigen wir uns mit wenig bekannten und in der heutigen Zeit häufig vergessenen Übungen.

Teilweise handelt es sich dabei auch nur um leichte Abwandlungen der wichtigsten Grundübungen. Für Anfänger reicht die Standardausführung der meisten Übungen längstens aus. Wer aber schon ein paar Jahre länger am Eisen ist und nach Variationen sucht, der ist genau richtig hier.

Als Anfänger beginnt man mit 1-2 Übungen pro Muskelpartie und absolviert meistens ein Ganzkörpertraining und wechselt dann auf einen 2er-Split. Je weiter fortgeschritten ein Athlet ist, desto grösser werden die Anforderungen und Aufwand um weiter Muskeln aufzubauen. Hier ist es in den meisten Fällen unausweichlich auf einen grösseren Split-Plan, wie einen 3er-, 4er- oder sogar 5er-Split zu wechseln.

Besonders im Falle eines 4er- oder 5er-Split führt man dann meist viele verschiedene Übungen für eine Muskelpartie aus. Vor allem für die grossen Muskeln wie Beine und Rücken.

Variationen und Ergänzungen

Die in dieser Blogserie beschriebenen Übungen sind teilweise Variationen von bekannten Übungen und können ergänzend eingebaut werden. Es gibt aber auch Übungen, insbesondere für die Schulter, welche zu den vergessenen Übungen gehören. Jenen Übungen gehören eigentlich in jeden fortgeschrittenen Trainingsplan mit rein.

Heute geht es los mit den Überzügen (engl. Pull-Over):

Überzüge

Überzüge sieht man heute nur noch selten jemanden im Studio ausführen. Zu Arnolds Zeiten gehörten Übungen zu den Standardübungen mit dazu. Sie waren sozusagen ein Muss.

Bei den Überzügen handelt es sich um eine Übung mit einer Sonderstellung. Es ist eigentlich eine isolierte Übung, gemäss der Definition einer Eingelenksübung. Eine weitere Besonderheit ist der Bewegungsradius in welchem die Übung ausgeführt wird. Die Belastung verlagert sich auf unterschiedliche Muskelpartien.

Überzüge für die Brust

Bei der Variante für die Brust wählt man entweder eine dafür vorgesehene Maschine aus, sofern vorhanden.

Die gleiche Übung kann aber auch auf einer Trainingsbank ausgeführt werden. Falls du ohne Trainingspartner trainierst, positionierst du eine Kurzhantel aufrecht auf der Seite der Flachbank. Jetzt legst du deinen oberen Rücken quer auf dem Polster der Bank neben der Kurzhantel ab. Deine Beine sind angewinkelt und deine Füsse suchen festen Halt auf dem Boden.

Dann drehst du deinen Oberkörper leicht zur Seite und greifst nach der neben dir befindlichen Kurzhantel. Umgreife die Kurzhantel mit beiden Händen so, dass du mit den Handinnenflächen die Innenseiten der obenliegenden Gewichtscheiben berührst. Jetzt hebst du die Kurzhantel an und drehst dich wieder zurück in die Ausgangsposition.

Falls du einen Trainingspartner an deiner Seite hast, reicht er dir die Kurzhantel, wenn du deine Position auf der Bank eingenommen hast.

Achte darauf, dass dein Körper einen Bogen bildet, das heisst dein unterer Rücken und dein Po werden nach oben gedrückt. Oberschenkel und Unterschenkel sollten hierbei mindestens einen Winkel von 90 Grad erreichen. Zudem streckst du deine Arme senkrecht nach oben, achtest jedoch darauf, dass ein kleiner Knick in den Ellenbogengelenken verbleibt, die Arme somit also nicht komplett durchgestreckt sind.

Jetzt beginnst du die Übung, indem du die Kurzhantel an den ausgestreckten Armen langsam nach hinten über deinen Kopf hinweg führst. Während deines Einatmens lässt du die Kurzhantel soweit ab, wie es deine Körperphysik zulässt. Die Muskelspannung wird immer stärker ansteigen, je weiter du die Kurzhantel nach hinten führst.

Führt man die gleich Übung an einer Maschine aus, muss darauf geachtet werden, dass die Griffe genauso wie bei der Variante mit der Hantel soweit als möglich nach hinten über den Kopf hinweg geführt werden. In der positiven (konzentrischen) Bewegung führen wir die Griffe nicht über den ganzen Bewegungsradius nach vorne. Die Endposition befindet sich im 90 Grad Winkel der Arme zum Oberkörper/Rumpf.

Der Vorteil einer Ausführung an der Maschine ist eine konstantere Spannung, die allerdings nur geringfügig höher ist als jene Ausführung mit der Kurzhantel.

Überzüge für den Latissimus

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den Überzügen um spezielle Übungen, da die trainierte Muskulatur von dem Bewegungsradius abhängt.

Während wir bei der oben beschriebenen Ausführungsvariante hauptsächlich die Brustmuskulatur trainieren, können wir durch einen Veränderung des Bewegungsradius auf die unteren 90 Grad die Belastung auf die Rückenmuskulatur, sprich den Latissimus verlagern.

Es handelt sich dabei um die einzige isolierte Bewegung für den Latissimus. Während wir bei allen anderen Übungen wie Lat-Ziehen, Rudern etc. immer zwei Gelenke mit im Spiel haben und dadurch auch eine starke Belastung des Bizeps erfahren, können wir diese Belastung bei den Überzügen komplett eliminieren und dadurch die Konzentration voll auf den Latissimus legen.

Diese Übung eignet sich daher optimalerweise als letzte Übung in einem Rückentraining, als sogenannte Nachermüdungs-Übung. Im Falle eines schwachen Bizeps‘, schwacher Griffkraft oder zur Variation, kann diese sie auch als Vorermüdungs-Übung zu Beginn eines Rückentraining durchgeführt werden.

Es gibt auch hier wieder zwei Varianten zur Durchführung:

Sofern vorhanden können wir die Übung an der Überzugsmaschine durchführen. Im Gegensatz zu der Variante für die Brustmuskulatur, führen wir hier nicht die Bewegung im oberen Bewegungsradius aus, sondern beginnen die Bewegung in der Endposition der Variante für die Brustmuskulatur. Das heisst, die fast ausgestreckten Arme bilden einen 90 Grad Winkel zum Oberkörper. Dies ist die Anfangsposition. Von hier führen wir die Griffe der Maschine bis zur Endposition von fast 180 Grad zu den Beinen hin.

Eine weitere Variante ist die Durchführung am Seil. Wir stehen leicht vorgebeugt vor dem Kabelturm und nehmen einen möglichst geraden Griff oder das Seil von der oben angebrachten Kabelrolle. Danach führen wie eine Bewegung mit fast ausgestreckten Armen, welche parallel zum Boden vom Körper wegestreckt sind, zu den Beinen hin.

Diese Übung ist eine sehr effektive Lat-Übung. Viele grosse Bodybuilder führen diese regelmässig in ihren Trainings aus.

Probiert diese Überzugsvarianten aus und baut sie in euer Training ein. Ich wünsche euch viel Spass dabei!

Seid gespannt auf einen weiteren Blog mit weiteren vergessenen und unbekannten Übungen.

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